Der SPORTAKUS im Interview mit Oliver Seidel-Marzi

durchgeführt von Emily Fussan, Lina Fischer und Maria Meißner

Wie fühlt es sich an, bereits als Student der Sportwissenschaft den „Meinel-Preis“ und den ersten Platz beim „dies academicus“ (wissenschaftlicher Wettstreit für Studierende und Nachwuchswissenschaftler_innen an der Sportwissenschaftlichen Fakultät) zu erhalten? Was für Projekte verbergen sich hinter dem Gebiet der neuronalen Plastizität?

Antworten auf all diese Fragen bekamen wir von Herrn Oliver Seidel-Marzi (wissenschaftlicher Mitarbeiter im Institut für Allgemeine Bewegungs- und Trainingswissenschaft (ABTW), Abteilung Bewegung & Training).

2016 schloss er sein Sportwissenschaftsstudium an der Universität Leipzig erfolgreich mit dem Master of Science ab. Bei seiner Profilwahl entschied er sich bereits im voran laufenden Bachelor der Sportwissenschaft für den Bereich Leistungssport, welchen er später im Master durch das Profil Diagnostik & Intervention fortführte.

Während seines Studiums blieb das typische Studentenleben natürlich nicht aus. Der DHfK-Fasching ist für ihn auch heute noch ein absoluter Pflichttermin. In seiner Jugend begeisterte sich Oliver insbesondere für die leichtathletischen Disziplinen (Mehrkampf), wobei er immer auch offen für andere Sportarten war und diese auch heute noch aktiv betreibt (Laufsport, Triathlon, Basketball Wintersport).

Auf die Frage hin, wie er ursprünglich zu der Thematik der neuronalen Plastizität kam, erzählte er uns, dass eine Vorlesung von Professor P. Ragert (Leiter der Abteilung Bewegung & Training im Institut ABTW) sein Interesse weckte.

Mit der Berufung von P. Ragert, PhD auf die Professur für Bewegung, Training und Leistung unter neurowissenschaftlichem Schwerpunkt (Nachfolge von Professor Dr. J. Krug) kamen 2015 die Forschung und die Ausbildung zur Thematik der neuronalen Plastizität in verschiedenen Modulen an die Sportwissenschaftliche Fakultät. Seine anschaulichen und spannenden Vorlesungen weckten auch bei Oliver das wissenschaftliche Interesse an der Thematik und er kam mit Herrn Ragert ins Gespräch über eine mögliche Masterarbeit unter seiner Betreuung. Wie sich heraus stellen sollte, wurde auf diese Weise die spätere wissenschaftliche Zusammenarbeit begründet und zunächst von Oliver eine sehr gelungene Masterarbeit zur Thematik von Anpassungen des Gehirns bei Ganzkörpergleich­gewichtsaufgaben verfasst und erfolgreich verteidigt.

Sein Betreuer Ragert konnte ihn wegen der sehr guten Qualität der Abschlussarbeit davon überzeugen, sich mit einem Referat zur genannten Thematik beim „dies academicus“ 2017 zu bewerben. Ohne hohe eigene Erwartungen und selbst etwas überrascht konnte er den 1. Platz in der Kategorie der Referate von Studierenden und Nachwuchswissenschaftler_innen erzielen und gewann zudem den jährlich ausgelobten „Meinel-Preis“ für die beste wissenschaftliche Leistung. Natürlich hat er sich auch über das damit verbundene Preisgeld und die Möglichkeit zu einer Publikation in den Leipziger Sportwissenschaftlichen Beiträgen (Wissenschaftliche Zeitschrift an der Sportwissenschaftlichen Fakultät) sehr gefreut, weil über diese Veröffentlichung seiner Erkenntnisse weitere Interessierte informiert werden können.

Auf einen Tipp von ihm für das Schreiben von wissenschaftlichen Arbeiten angesprochen, sagt Oliver: „Mutig sein, anfangen zu schreiben und nicht darauf warten, dass man etwas von anderen vorgelegt bekommt.“

Was wir daraus lernen können:

Man sollte sich in eine Thematik vertiefen, aber nicht nur an bereits vorhandenen Kenntnissen „entlang hangeln“, sondern versuchen, in eine eigene Richtung zu denken, zu forschen, immer wieder zu hinterfragen und das Ganze zu Papier bringen.

Nach dem Abschluss seiner Masterarbeit und dem Studium blieb Oliver interessiert am Fachgebiet und forscht nun als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Professur von Herrn Ragert weiter.

Auch seine Promotionsarbeit zum Thema „Die Rolle des Gehirns bei unterschiedlichen motorischen Leistungsvoraussetzungen“ bringt er inzwischen konsequent voran. Auf dem von der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (DVS) zweijährlich veranstalteten Hochschultag in Berlin bewarb sich Oliver 2019 um den für Sportwissenschaftler_innen ausgelobten DVS-Nachwuchspreis. Frei nach dem Motto: „Ich probiere es einfach mal; es kann ja nicht viel passieren…“ setzte er sich in der Vorauswahl mit 25 anderen Bewerber_innen durch und wurde für einen wissenschaftlichen Vortrag mit zwei weiteren Konkurrenten nach Berlin eingeladen, wo er seine Arbeit vorstellen durfte. Trotz der starken Konkurrenz der Mitbewerber gewann Oliver mit seinem Vortrag und Thema schließlich den Nachwuchspreis.

Neben seinem gegenwärtigen, hauptsächlichen Fokus auf den Abschluss seiner Promotion befindet er sich momentan in einer Art „Sondierungsphase“, wie er es selbst beschreibt. So denkt er bereits jetzt an die Zeit nach seiner wissenschaftlichen Qualifizierung und überlegt, was wohl die richtige Betätigung für ihn nach der Erlangung des Dr.-Titels wäre…? Welche Möglichkeiten bestehen? Für die Zukunft sei noch vieles offen: Ob er nach seiner Promotion z.B. in Leipzig bleibt, sich vielleicht bewirbt um eine Mitarbeiterstelle an unserer Fakultät, oder sogar im Ausland weiter forscht…? Es gibt viele Optionen und ausschließen könne er bis jetzt noch nichts.

„Ich will jetzt hier nicht den großen Moralfinger erheben“, war die erste Anmerkung auf unsere Frage, ob er ein paar Tipps für uns Studierende geben kann. Die Student_innen sollten während ihres Studiums immer über den „Tellerrand hinaus schauen“ und alle Möglichkeiten, die ihnen vor Ort im Rahmen von Fortbildungen oder Erwerb von Lizenzen gegeben werden, nutzen. Dabei ist das Knüpfen von Kontakten bereits während des Studiums sehr wichtig. Das universitäre Studium bietet schließlich viele Möglichkeiten, sich einerseits fachtechnisch und -spezifisch gut zu bilden, aber andererseits mit Engagement und Interesse auch „breit aufzustellen“, um die Einsatz- und Anstellungsmöglichkeiten nach dem Studium zu erweitern. Aber natürlich sollte man dabei auch nie vergessen, die gesamte Studienzeit in all ihren Facetten bewusst wahr zu nehmen, mitzugestalten und auch zu genießen.

Wir bedanken uns bei Herrn Oliver Seidel-Marzi für seine Zeit und die vielen interessanten und persönlichen Eindrücke aus seinem (wissenschaftlichem) Werdegang und wünschen ihm für all´ seine Vorhaben gutes Gelingen.

Euer SPORTAKUS

Veröffentlicht in HEFT