„Wahnsinnsurlaub“ im Defereggental

Ein Interview mit Herrn Dr. Dirk Siebert (Abteilungsleiter fürBewegungs- und Trainingswissenschaft mit dem Schwerpunkt Natursportarten (Ski/Kanu/Rad) an der Sportwissenschaftlichen Fakultät, geführt von Anabel Wilke und Lina Fischer.

Skiwasser in Sant Jakob? Vorfreude auf das Skilager?

Elf Tage lang mit Freunden und Kommilitonen zusammen Ski fahren, notwendige theoretische Kenntnisse erwerben, Après-Ski zelebrieren und die gemeinsame Zeit genießen – Und dies alles im Rahmen des Studiums. Klingt nach viel Spaß!? Wie wir in unserer Umfrage erfahren haben, scheint der Skilehrgang für 41 Prozent der befragten, diesjährigen Erstis eher eine Belastung darzustellen, als ein Event, auf das sie bereits begeistert hin fiebern. Dem sind wir auf den Grund gegangen.

Der Skilehrgang.

Auch in diesem Jahr geht es für viele Student_innen der Sportwissenschaftlichen Fakultät wieder zum 11-tägigen Skifahren nach St. Jacob. Wie jedes Jahr gibt es drei Durchgänge, an denen jeweils 70 Studierende teilnehmen dürfen. Start für die erste Runde ist der 08.02.; der letzte Durchgang verlässt Österreich Mitte März. Eingeteilt werden die Gruppen in drei Leistungsniveaus. Neben den Übungseinheiten im Skilanglauf und in der -abfahrt wird der Pflichtkurs sowohl mit einer praktischen, als auch mit einer theoretischen Prüfung abgeschlossen.

Und neben dem gemeinsamen Sporttreiben verbringt man die Abende mit seinen Kommiliton_innen und feiert den einen oder anderen Abend die gemeinsame Zeit.

Klingt nach Sport, Spaß und eine Menge neuer Erfahrungen?

Trotzdem stehen einige Studierende dem Ganzen sehr kritisch gegenüber.

Man kann vermuten, dass einer der Hauptgründe für diese reservierte Einstellung gegenüber des Skilagers die hohen, für alle verpflichtend aufzubringenden Lehrgangskosten in Höhe von knapp 650€ (bestehend aus Skipass und Vollpension) sein könnten. Im Interview mit dem Fachgebietsleiter, Herrn Dr. phil. Dirk Siebert, stellte sich heraus, dass die Kosten zwar hoch erscheinen, jedoch gut begründet seien. Der Preis sei für österreichische Verhältnisse sehr kostengünstig. Außerdem werden den Student_innen weitere notwendige Materialien wie Skiwachs und Ausleihski stets so günstig wie nur möglich angeboten. Die veranschlagten Gebühren stehen zudem für jeden einsehbar im Studienführer zur Verfügung und sollten somit allen zu Beginn des Studiums bekannt sein. In Ausnahmefällen könnte man sich über einen Härtefallantrag an die Stadt Leipzig wenden, welche wiederum auf das „Starke-Familien-Gesetz“ verwiesen hat. Die Universität Leipzig selbst könne die Kosten nicht übernehmen.

Auf unsere Nachfrage hin, weshalb der Lehrgang nicht örtlich näher gelegen – in Deutschland oder Tschechien – stattfinden könnte, bekamen wir schnell die schlüssige Antwort, dass dort keine Schneegarantie gegeben sei. Dr. Siebert verwies daraufhin auf seine ganz persönlichen Erfahrungen bezüglich des Skilehrgangs. In seinem eigenen Sportstudium mussten seine Kommiliton_innen und er damals in Oberwiesenthal die letzten Schneereste zusammen suchen, um ihre Prüfung überhaupt absolvieren zu können. Dies sollte den heutigen Studierenden erspart bleiben. Mit Erfolg! Im österreichischen Sankt Jacob, welches auf knapp 1500m Höhe liegt, ist Schnee garantiert, sodass der Pflichtkurs bereits ein Jahr im Voraus geplant werden kann. Des Weiteren ist der Fachgebietsleiter überzeugt davon, dass sich die Kosten und der Aufwand für alle Studierenden lohnen, da in kaum einem anderen „normalen“ Modul so viele Kompetenzen (insbesondere Sozialkompe­tenzen) vermittelt werden, wie bei einer solchen gemeinsamen Fahrt. Auch sei die Aufgabe des Lehrgangs natürlich das Näherbringen des Schneesports in verschiedenen Fassetten. Einige Sportstudent_innen treten durch den Lehrgang im sportlichen Sinne das erste Mal in direkten Kontakt mit dem Medium Schnee und Bergen, also Höhenbedingungen. Es gehe vor allem darum, auch den sonst nicht so Wintersport-begeisterten Studierenden das Skifahren „schmackhaft“ zu machen und ihnen neue Möglichkeiten des Sporttreibens zu eröffnen.

Als ein weiterer Kritikpunkt der Studierenden wird oft der zu hohe Aufwand für die doch nur sehr wenigen Kreditpoints bemängelt – gerade einmal 2,5 Leistungspunkte werden nach erfolgreichem Absolvieren des Lehrgangs angerechnet. Hierbei war der Schneesport-Fachleiter mit uns einer Meinung. Er gab jedoch gleichzeitig zu bedenken, dass ein Antrag für die dafür notwendige Änderung der Prüfungsordnung bis zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht an die Studienkommission gestellt wurde.

Auch ist momentan noch keine Lösung für die „Sport-Lehrämtler“ gefunden worden, welche meist nur am ersten Durchgang der angebotenen Lehrgänge teilnehmen können – da die Fahrt sonst mit ihren Klausuren kollidiert. Somit ergibt sich jedes Jahr ein regelrechter „interner Kampf“ um die begehrten Plätze des ersten Durchganges – und anschließend eine viel zu lange Warteliste.

Die zudem geäußerte Angst einiger Studierenden, im „Skimodul“ durchzufallen und den Lehrgang danach wiederholen zu müssen, sei laut Siebert jedoch unbegründet. Die Befähigung im Ski Alpin werde anhand von Knotenpunkten bewertet, die manche Anfänger nach kurzer Zeit sogar oft besser beherrschen, als die „Könner“ aus der Gruppe A. Auch der Wettkampf im Skilanglauf sei für jeden Anfänger mit genügend Wille zu schaffen.

Nach einigem Umhören bei Studierenden, welche das Skilager bereits absolviert haben, bekamen wir in diesem Punkt größtenteils Zustimmung und ein allgemein positives Feedback zum Skilehrgang zu hören. Oftmals wird sogar davon geredet, dass die Fahrt der Höhepunkt des ganzen Sport-Studiums gewesen sein soll.

Demnach hoffen wir, hiermit einige Vorurteile bezüglich des Skilehrgangs aus dem Weg geräumt und logische Gründe für den einen oder anderen „Aufreger“ dargelegt zu haben.

Wir danken Herrn Dr. Siebert für das gewährte Interview und wünschen allen einen erfolgreichen und weniger auf- und mehr anregenden Skilehrgang; in diesem Sinne: Ski heil!

Euer SPORTAKUS