Der Leipziger Robert Farken holt sich zum dritten Mal in seiner Heimatstadt Leipzig die Goldmedaille über 800m

Am Wochenende fanden vom 22.02.-23.02.2020 die Deutschen Hallenmeisterschaften der Leichtathletik in Leipzig statt. Mit dabei war auch der 22-jährige Robert Farken, der gebürtig aus Leipzig kommt und hier trainiert. Er konnte sich am Samstag über die 800m-Strecke einen der insgesamt 15 vergebenen Meistertitel holen. Dies war keine große Überraschung, da er bereits 2017 und 2019 in der Hauptklasse in der Halle zum Sieg über die 800m lief.

Hannah Hänsel vom SPORTAKUS führte für Euch ein Interview mit dem Spitzenathleten.

Hast du dich deshalb selbstbewusster gefühlt und spielt es bei dir eine Rolle, dass die Hallen-DM in deiner Heimatstadt stattfand? Laut leichtathletik.de meintest du: „Ich fühle mich in der Favoriten-Rolle wohl!“

Klar, der Heimvorteil hat mir eine extreme Sicherheit geben, ich habe natürlich aus den vergangenen Jahren ein gutes Gefühl gehabt und positive Erinnerungen, da geht man dann doch mit ein bisschen mehr Selbstsicherheit ins Rennen. Zumal auch der Vorlauf gut gelaufen ist und ich gespürt haben, dass das Publikum gut dabei ist und sieht, da ist ein Newcomer am Laufen und das dann nochmal ein bisschen besser angenommen hat. Das hat mir natürlich Aufwind gegeben und mein Selbstbewusstsein dahingehend noch einmal ein Ticken gestärkt.

Siehst du es kritisch, dass der Sport-Oberbürgermeister vom Leipzig, Heiko Rosenthal, während der Deutschen Hallenmeisterschaft im Urlaub war, obwohl der Termin bereits langfristig feststand und welches Bild wirft dies deiner Meinung nach auf den Leichtathletikverband?

Zu Herrn Rosenthal kann ich gar nichts sagen; da steht mir kein Urteil zu, aber was ich als positiv bemerken kann ist, dass unser Oberbürgermeister Burkhard Jung anwesend war. Das hat mich sehr gefreut und war eine große Ehre.

Du bist einer der besten 800m-Läufer Deutschlands, wenn nicht sogar der beste 800m-Läufer! Spielen dir dein Umfeld und die Trainingsbedingungen in Leipzig in die Karten?

Zum Umfeld kann ich nur ganz klar sagen, dass das ein absoluter Knackpunkt ist, extrem wichtig ist und mir extrem viel ermöglicht hier in Leipzig. Da ist an aller erster Stelle mein familiäres Umfeld. Ich komme aus Leipzig, ich habe meine Familie hier. Habe da sozusagen immer jemanden bei mir, wenn ich jemanden brauche. Das ist extrem wichtig. Ich arbeite jetzt auch schon seit Jahren mit meinem Trainer hier in Leipzig zusammen. Kenne auch alles, man ist es einfach gewohnt. Ich fühle mich hier einfach wohl. Das ist meine Heimatstadt, das ist halt einfach was Besonderes. Gerade auch die restlichen Bedingungen hier wurden jetzt noch ein bisschen aufgestockt mit Co-Trainern. Also wir haben erstmal zwei hauptamtliche Trainer, das sind der Thomas Dreißigacker und Daniel Fleckenstein, die die Trainingsgruppe betreuen. Dann haben wir noch Niklas Cervinka als Co-Trainer dabei. Also quasi drei Betreuer einer Trainingsgruppe. Das ist schon einmal extrem professionell.  Und was auch sehr gut funktioniert: Wir haben eine sehr gute physiotherapeutische Anbindung. Mit dem Rehazentrum in der Käthe-Kollwitz-Straße/Ecke Marschner Straße, wo nicht nur manuelle Therapie angewendet wird, sondern auch noch Krankengymnastik, wo man an Stellschrauben dreht, um Verletzungen vorzubeugen, an Fehlstellungen arbeitet und an seinen Schwächen. Das bringt einen extremen Mehrwert.

Deine beiden Trainingskollegen und Freunde Marc Reuther, der als Favorit gehandelt wurde, jedoch verletzungsbedingt kurzfristig absagen musste, und Julius Lawnik, der direkt hinter dir Zweiter wurde und somit seine erste Einzelmedaillen bei den Aktiven holte, sind ebenfalls sehr schnelle Läufer. In wie weit könnt ihr euch gegenseitig unterstützen?

Ja, das ist klar! Das hat eigentlich nur Vorteile. Wir sind sehr gut miteinander befreundet und haben eingesehen, dass wir noch nicht in der internationalen Spitze angekommen sind. Wir können uns aber gegenseitig dahin puschen und sollten uns gegenseitig nicht das Wasser abgraben, sondern gemeinsam an einem Strang ziehen. Deswegen hat das einen enormen Mehrwert für uns alle drei.

Auf dem Gelände der Sportwissenschaftlichen Fakultät befindet sich außerdem das IAT (Institut für Angewandte Trainingswissenschaft). Wirst du dort auch von den Ärzten und Physiotherapeuten betreut und wenn ja, wie wichtig findest du diese Unterstützung?

Ja. Wir könne hier regelmäßig im Jahr eine Leistungsdiagnostik durchführen und haben immer kurze Wege zu einem professionellen Sportarzt, wenn wir gesundheitliche Probleme haben. Das ist dann entweder der Jan Wüstenfeld oder die Caroline Erber, wo man direkt auch Hilfe bekommt. Optimal ist natürlich auch die Leistungsdiagnostik, wo man sich anschaut, welches Niveau habe ich gerade, in welchem Bereich muss ich gerade trainieren, um jetzt den bestmöglichen Schritt in die richtige Richtung zu machen.  Und mein eigentlicher Arzt ist der Volker Schlägel in der Turmbergklinik, bei dem bin ich meistens vorstellig. Aber klar, ich nutze auch die Ärzte im IAT und das ist extrem wichtig, genauso wie die physiotherapeutische Betreuung, weil so etwaigen Verletzungen gut vorbeugt werden kann und wenn etwas Ernsthaftes vorliegt, kann man schnell reagieren.

Ebenfalls warst du auf dem Sportgymnasium in Leipzig, was direkt gegenüber der Sportwissenschaftlichen Fakultät steht. Hattest du schon früh den „typischen Traum“ bei Olympia teilzunehmen und dort sogar in einem Finale zu stehen?

Bei uns im Sportgymnasium war es früher so, dass ehemalige Schüler, die erfolgreich geworden sind, vielleicht sogar olympische oder Weltmeisterschaftsmedaillen geholt haben, dann an der Schule Autogrammstunde gegeben haben und man so gesehen hat: okay, hier haben es schon Leute geschafft. Wenn ich dranbleibe und hart arbeite, dann ist es möglich, auch so etwas in die Richtung zu erreichen. Dementsprechend wurde es einem schon früh eingetrichtert. Man hat den Fokus, den Bezug zum Sport nie verloren, was ich mir vorstellen könnte, wie es an einer anderen Schule wäre. Da man da auch viele andere Dinge darum herum hat und nicht diesen absoluten Bezug und Fokus zum Sport. Und das hat eben das Sportgymnasium geboten und war für meine persönliche und sportliche Entwicklung natürlich extrem wichtig!.

Gibt es eine Laufrunde, die du am liebsten läufst? Und wenn ja, welche ist es?

Leipzig ist von den Laufstrecken, von den Dauerlaufstrecken, richtig gut. Wir können quasi an der Elster Richtung Cospudener See laufen, durch den Palmgarten, über den Schleußiger Weg hinweg in den Wald, in den Park. Man kann in die andere Richtung laufen, an der Elster auf dem Damm entlang Richtung Schkeuditz. Im Rosental oder auf der anderen Seite, wo der Schützenhof ist. Es ist optimal. Ich wohne im Waldstraßenviertel und laufe deshalb auch oft am Zooschaufenster entlang. Ich habe gar keine richtige Lieblingslauftrecke, weil es bei mir echt variiert. Es sind ja schon relativ viele Umfänge und Kilometer, die wir absolvieren und da versuche ich das so variabel wie möglich zu gestalten, damit mich keine Runde irgendwann nervt und ich die nicht mehr sehen kann. Deswegen vermeide ich es, mir eine Lieblingsrunde auszusuchen, die ich dann nur noch laufe, die mir dann  aber vielleicht irgendwann aus dem Hals raushängt. Aber schlussendlich kann man nur sagen, dass es hier echt nice ist zum Laufen. Man kann einen 20km Dauerlauf (DL) machen, ohne einen Meter doppelt zu laufen. Das ist einfach cool, das ist schon optimal. Es ist ja auch nicht immer so, dass man super Lust hat, jetzt einen DL zu machen. Ja, es gibt ja auch Tage, wo man sich denkt „Och nö, lass mal!“. Und dann ist es ja natürlich schlecht, wenn man nur Strecken hat, die einen nerven. Dann ist es auch leichter, den Schweinehund zu überwinden.

Häufig wird man als Sportler nur auf seine sportliche Leistung reduziert. Aber was interessiert dich außerhalb vom Sport noch so und gibt es einen Platz oder ein Café, den/das du ganz besonders magst und wo man unbedingt mal gewesen sein sollte, wenn man in Leipzig lebt?

Ich bin abseits von der Leichtathletik auch am Fußball interessiert und natürlich allgemein am Sport. Der spielt eine große Rolle in meinem Leben. Ich bin außerdem viel am Sportforum und an der Jahnallee unterwegs, da ich auch im Waldstraßenviertel wohne, deshalb würde ich ganz klar auch das „Dankbar Kaffee Leipzig“ empfehlen.

Auf deinem Instagram-Account (@robertfarken) sieht man, dass du einem Jungen ein Autogramm gibst. Freust du dich, wenn junge Sportler zu dir aufsehen und hattest/hast du selbst auch ein Idol?

Ja klar, dass ist was super Schönes, wenn so junge Nachwuchssportler_innen oder Kinder einfach zu einem kommen, Autogramme oder ein Foto mit einem mache wollen. Ich bin da immer selbst überrascht, dass jemand so etwas von einem möchte. Das ehrt einen extrem und ich mache so etwas super gerne. Ich habe Spaß dran.
Mit dem Idol ist es etwas schwierig. Ich habe ja auch lange Zeit Fußball gespielt, aber in den letzten Jahren ist es so, dass ich am meisten zu Marcin Lewandowski, das ist ein polnischer Läufer, aufgeblickt habe. Er läuft die 800m und 1500m sehr stark und keiner kann eigentlich so richtig sagen, ist er denn 800m- oder 1500m-Läufer, deshalb ist er für mich der Begriff von einem Mittelstreckenläufer, weil er einfach beides super gut performen kann und ein Allrounder ist und ich ein so ähnlicher Typ bin und 1500m auch relativ gut laufen kann; nicht zu vergleichen mit Marcin Lewandowski, aber natürlich ist das das Level, wo man hinkommen möchte und woran man sich orientiert.

2016 bist du in Pfungstadt in 1:46,65 min über die 800m gerast und warst damit in diesem Jahr Europas schnellster U20-Athlet. Dennoch konntest du nicht an der U20 EM teilnehmen, da der Nominierungszeitraum vorbei war. Konntest du diese Entscheidung nachvollziehen und wie bist du damit umgegangen?

Ja genau, die Zeit bin ich damals gelaufen, nach Abschluss des Nominierungzeitraums. Ich hatte vorher zwar schon die Norm erfüllt, aber es gab nur zwei Plätze und vier Normerfüller und dann gab es eben einen entscheidenden Wettkampf, wo ich mich nicht durchsetzen konnte. Dementsprechend habe ich das dann einfach so hingenommen. Ich kannte die Nominierungsrichtlinien und wusste, dass da den Bundestrainern die Hände gebunden sind und die dementsprechend nominieren mussten. Ich bin dann damals nochmal nach dem entscheidenden Wettkampf, nach der Deadline, für 2 Wochen ins Trainingslager gegangen und bin danach dann die 1:46 min gelaufen. Rückblickend würde ich sagen, dass es daran lag, dass ich dann überhaupt so schnell gelaufen bin und das hat eigentlich meiner sportlichen Entwicklung nicht geschadet, sondern in dem Fall sogar ein bisschen positiv beigetragen. Was ärgerlich ist, dass meine persönliche Bestzeit immer noch aus dem Jahr 2016 ist, weil die letzten Jahre aus unterschiedlichen Gründen etwas holprig waren. Und deswegen wird es jetzt aller höchste Zeit, im Sommer 2020, im Olympiajahr, da mal ein bisschen was von der Bestleistung runter zu nehmen.

Dein aktuelles Ziel ist es, dieses Jahr bei Olympia ins Halbfinale zu kommen. Was ist für dich das Wichtigstes, um dieses Ziel zu erreichen?

Ja, was am Ende des Tages das Allerwichtigste ist, ist schwer zu sagen, denn es ist ein Zusammenspiel aus mehreren Faktoren, da eben mit  jedem einzelnen Faktor das ganze System stehen und fallen kann, und deswegen ist es wichtig, dass diese ganzen Faktoren in einander greifen und gut funktionieren. Als erstes aufzuführen ist mein persönliches Umfeld, also meine Familie, meine Freundin, meine Freunde und halt auch mein Trainer, der über die Jahre eine Vertrauensperson von mir geworden ist. Dann, was ich vorhin gesagt habe, dass man verletzungsprophylaktisch gut arbeiten kann, gute Regernationsmaßnahmen vornehmen kann etc. Und was natürlich auch essentiell ist, sind die Sponsoren, die einem das Leben als Profi-Sportler ermöglichen. Und ohne die das sonst nicht funktionieren würde.

Du bist erst 22 Jahre alt. Hast du schon Pläne, ob du anfangen möchtest in Leipzig zu studieren/ eine Ausbildung zu machen, oder möchtest du dich erst einmal voll auf den Sport konzentrieren?

Ich bin momentan eingetragener Student an der Uni Leipzig und studiere Sportmanagement im 5. Semester. Aktuell bin ich im Urlaubssemester und werde auch im kommenden Sommersemester nochmals ein Urlaubssemester einlegen. Okay, ich bin zwar jetzt saver Kandidat für Olympia, aber ich muss da schon bisschen was investieren, wenn ich da hin möchte. Und ich habe mir gesagt: „Okay komm, Olympia ist nur aller vier Jahre und ich bin jetzt 22; ich muss jetzt alles reinlegen, dass das alles klappt.“ Bisher macht sich das auch bezahlt. Ich sehe auf jeden Fall eine Entwicklung, aber es ist schwer, parallel noch richtig zu studieren. Ich absolviere auch ein Teilzeitstudium und kein Vollzeitstudium, weil ich dieses Studienjahr seit November/Dezember vier Wochen lang im Trainingslager gewesen bin und jetzt im Januar weitere vier Wochen im Trainingslager war. Dazu kommen im März weitere vier Wochen und im April werden wir für zwei Wochen im Trainingslager sein. Fast den ganzen Sommer über werden wir dann aus dem Trainingslager in Sankt Moritz heraus die Sommersaison bestreiten. Da ist es eben schwer, noch hier vor Ort zu sein, aber ich versuche das alles so gut es geht unter einen Hut zu bekommen und ja, das Sportmanagement ist eigentlich schon was, was mich interessiert. Und wir haben in Leipzig auch gute Möglichkeiten. Viele Dozent_innen verstehen das ja auch, wenn man Leistungssport betreibt. Deswegen ist man ja auch an der Sportwissenschaftlichen Fakultät. Mir ist klar, dass ich nicht in der Regelstudienzeit fertig werde, aber das ist auch gar nicht so schlimm, ich habe mich ja drauf eingestellt.

Vielen Dank, dass du dir für die Beantwortung meiner Fragen Zeit genommen hast!
Ich wünsche dir ganz viel Spaß und Durchhaltevermögen in deinen Trainingslagern in Südafrika, Portugal und der Schweiz und drücke dir schon jetzt die Daumen für die Olympia-Saison; viel Erfolg!

Danke. Ich danke dir auch für deine Fragen; hat mir Spaß gemacht!