Promovenden der Sportwissenschaftliche Fakultät Leipzig

Teil 1: Dr. Nico Lehmann

Studiengänge:        Sport/Geschichte Lehramt

Titel der Promotion: 

„Hirnstrukturelle Korrelate der Steigerung motorischer Lernprozesse durch eine neuromodulatorische Voraktivierung: Quer- und Längsschnittstudie“

Betreuer:                Prof. Krug

Aktueller Beruf:       Postdoktorand an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg zur Erreichung der Habilitation

Hallo Dr. Lehmann J , vielen Dank, dass du dich zu einem Interview bereiterklärt hast und uns deinen Werdegang zeigst. Vielleicht kannst du mit deiner Geschichte der einen oder anderen Sportstudent_in bei der Entscheidungsfindung helfen. Nun zur Sache: Wann und warum hast du dich dazu entschieden zu promovieren?

Der Weg zur Promotion war nicht vorgezeichnet, da ich Lehramt studiert habe. Einen genauen „Tag X“ kann ich entsprechend auch nicht nennen. Das Interesse an wissenschaftlichen Fragen des Sports wurde im Grunde bereits am Sportgymnasium geweckt und während des Studiums, insbesondere durch die Dozenten des Instituts ABTW und durch Studienteilnahmen als Proband, verstärkt.

Auch Zufälle haben eine Rolle gespielt. Auf der Suche nach einem Masterarbeitsthema kam ich in Kontakt mit Dr. Marco Taubert vom Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (MPI) in Leipzig. Im Rahmen der Nachwuchsforschergruppe „Motorische Schnelligkeit und Kognition“, die von 2013-2014 am Institut ABTW bestand, waren wir dann zusammen in einem Arbeitspaket tätig. Als die Förderung der Gruppe auslief, fragte mich Marco, ob ich mir vorstellen könnte, am MPI eine Doktorarbeit mit neurowissenschaftlichen Methoden anzufertigen. So kam eins zum anderen und die Doktorandenstelle am MPI eröffnete mir auch finanziell die Möglichkeit zur Promotion.

Wie lief der Prozess von erster Idee/Themenfindung über Einschreibung, Testungen … bis zur Verteidigung ab?

Zu Beginn meiner Promotion lagen bereits vielversprechende Verhaltensdaten von uns und anderen Arbeitsgruppen vor, die nahelegten, dass motorische Lernprozesse durch die Kopplung mit kurzzeitigen Ausdauerinterventionen förderlich beeinflusst werden können. Was noch weitgehend unbekannt war: Über welche Mechanismen im Gehirn wird dieser Effekt vermittelt? Dieser Frage sollte im Rahmen der Doktorarbeit mittels der MRT nachgegangen werden.

Die Beantragung der Aufnahme in die Doktorandenliste ist ein eher formaler Prozess. Die wichtigsten Punkte sind neben dem Nachweis der Zulassungsvoraussetzungen ein Kurzexposé samt Konzeption des Forschungsvorhabens sowie die Bereitschaftserklärung eines Hochschullehrers der Fakultät zur Betreuung. In meinem Fall war das Prof. Krug. Die entsprechenden Details sind online der Promotionsordnung zu entnehmen. Bei Fragen kann man sich auch an die Doktorandenvertretung wenden.

Die Testungen nahmen dann einen ziemlich großen Zeitraum ein, da es sich um eine Längsschnittstudie handelte. Die Datenerhebung erfolgte in drei Wellen über insgesamt ein Jahr. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen Studierenden der Fakultät bedanken, die mich dabei im Rahmen ihrer Projekt- oder Abschlussarbeiten zuverlässig unterstützt haben. Ohne ihre Hilfe wäre das Projekt nicht möglich gewesen. Die Analyse der Daten und die Abfassung der Arbeit dauerten ca. ein weiteres Jahr. Etwa sechs Monate nach der Abgabe (beim Dekanat der Sportwissenschaftlichen Fakultät, Anm. d.Red.) fand die Verteidigung statt.

Was würdest du Student_innen empfehlen, was muss man beachten bzw. was würdest du im Nachhinein anders machen?

Es klingt zwar banal, aber man sollte sich gleich zu Beginn klarmachen, dass das gewählte Thema die nächsten Monate und Jahre ständiger Begleiter sein wird. Entsprechend ist meine Empfehlung, sich ausreichend Zeit für die Themenfindung zu nehmen. Anregungen für spannende Fragestellungen bekommt man in Lehrveranstaltungen, beim jährlich an der Sportwissenschaftlichen Fakultät stattfindenden wissenschaftlichen Wettbewerb (dies academicus), in den Graduiertenseminaren der Institute, bei Gastvorträgen oder auch durch eigene Probandentätigkeit. Ziel in dieser Phase sollte es sein, in Rücksprache mit dem Betreuer und unter Berücksichtigung der Durchführbarkeit ein deutlich abgestecktes Arbeitsthema zu generieren. Mir hat es geholfen, eine klare Orientierung zu haben (nicht nur eine vage Vorstellung), wo es mal hingehen soll und welcher konkreten Forschungsfrage ich nachgehen will.

Bei allem Idealismus, über den Doktoranden i.d.R. ohnehin verfügen, sollte man sich auch frühzeitig Gedanken um die Finanzierung machen und sich ggf. um ein Stipendium bewerben. Ich persönlich hatte zwei Jahre eine drittmittelfinanzierte Stelle am MPI und stellte die Arbeit dann neben meiner regulären Tätigkeit als Projektmitarbeiter an der Universität Fribourg in der Schweiz fertig.

Auch die Zeit, die man für die Arbeit aufwenden kann, ist ein wichtiger Faktor. Ich konnte mich am MPI ausschließlich der Durchführung des Forschungsprojekts widmen. Wenn man zusätzlich umfangreiche Lehrverpflichtungen hat, sollte man ggf. eine längere Promotionsphase einkalkulieren.

Des Weiteren ist zu beachten, dass die Promotionsordnung der Fakultät vor der Verteidigung das Ablegen eines Rigorosums, also einer mündlichen Prüfung auf dem Fachgebiet, vorsieht. Das Rigorosum kann jedoch erlassen werden, wenn gewisse „zusätzliche Leistungen“ wie z.B. die Teilnahme an Konferenzen, Graduiertenseminaren, Doktorandenworkshops oder Fortbildungsmaßnahmen im Umfang von zehn LP nachgewiesen werden. Auch hier hilft die Doktorandenvertretung gerne weiter.

Last but not least sollte ein guter und vertrauensvoller Draht zu den Betreuer_innen gehalten werden. Bei aller geforderten Eigenständigkeit habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, wichtige Belange der Doktorarbeit (z.B. Finanzierung, Organisatorisches, inhaltliche Ausrichtung der Arbeit, Statistik) gemeinsam und konstruktiv-kritisch mit ihnen zu diskutieren und in regelmäßigen Abständen den Arbeitsfortschritt zu präsentieren. Mit Prof. Dr. Marco Taubert, Prof. Dr. Arno Villringer und Prof. Dr. Jürgen Krug hatte ich das Glück, nicht nur fachlich, sondern auch zwischenmenschlich exzellente Betreuer zu haben.

Was machst du jetzt, nachdem du deine Promotion abgeschlossen hast?

Nach einem tollen und lehrreichen Jahr als Projektmitarbeiter in der Schweiz bin ich seit Januar als Postdoktorand am Lehrstuhl „Trainingswissenschaft, Schwerpunkt Kognition und Bewegung“ der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg tätig.

Der SPORTAKUS gratuliert Dr. Nico Lehmann zum Gewinn des Dissertationspreis der Sportwissenschaftlichen Fakultät 2018. Anlässlich der Feierstunde 25 Jahre Sportwissenschaftliche Fakultät am 7.12.2018 wurde der mit 500€ dotierte Preis vom Verein zur Förderung der Sportwissenschaft an der Universität Leipzig e.V. beigesteuert. Nominiert waren alle Absolventen, die in den vergangenen drei Jahren ihre Dissertation an der Sportwissenschaftlichen Fakultät mindestens mit „magna cum laude“ abschlossen. Die Entscheidung traf eine unabhängige Jury. Ein Auszug der Arbeit wird in den Leipziger Sportwissenschaftlichen Beiträgen veröffentlicht.