Die neue Sportpsychologie an der Fakultät

 

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Prof. Dr. Anne-Marie Elbe, Professur Sportpsychologie, Universität Leipzig Sportwissenschaftliche Fakultät Foto: Swen Reicholdt

Frau Prof. Dr. Anne-Marie Elbe ist seit Februar 2018 Professorin für Sportpsychologie an der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig. Im SPORTAKUS spricht die gebürtige Berlinerin über ihre Forschung, Neuerungen in der Lehre, flache Hierarchien und die Herausforderungen einer akademischen Karriere.

 

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. Elbe, mit welchen Erwartungen und Wünschen gehen Sie an die neue Herausforderung der Professur für Sportpsychologie in Leipzig heran?

Zunächst freue ich mich, hier zu sein! Die Universität Leipzig ist ja die Wiege der Psychologie und auch die Sportwissenschaftliche Fakultät hat einen großen Namen. Meine Vorgängerin Dorothee Alfermann war ja international sehr aktiv, unter anderem durch das Erasmus-Programm European Master in Sport & Exercise Psychology. Ebendiese Internationalität möchte ich gerne fortsetzen. Ich sehe grundsätzlich den Schwerpunkt in der Lehre, die ich gerne auch englischsprachig anbieten würde. Ich möchte mehr mit E-Learning arbeiten und stets forschungsbasierte Lehre betreiben. In der Forschung habe ich mich in den letzten Jahren mit sehr vielen verschiedenen Themen befasst; hier wird sich zeigen, wie viel es weiterhin um Leistungssport und Nachwuchsleistungssport gehen wird. So befasse ich mich beispielsweise auch mit Themen der Gesundheitsförderung oder der Dopingprävention.

Neue Gesichter begrüßen wir auch in der gesamten Abteilung Sport- und Bewegungspsychologie. Werden innerhalb der Arbeitsgruppe gemeinsame inhaltliche Schwerpunkte gesetzt?

Ich hatte das große Glück, dass ich vier Personen einstellen durfte – das ist ein riesiges Geschenk. Ich finde es sehr wichtig, dass die Doktoranden und Habilitanden sich ihre Themen selbst wählen können; es muss schließlich ein Thema sein, das sie für die nächsten drei Jahre motiviert und für das sie brennen. Es ist nicht meine Art, hier thematische Vorgaben zu machen. Einige sind gerade in der Phase, sich Themen ganz neu zu wählen, was sehr spannend ist. Ich sehe mich an dieser Stelle eher als Begleiterin ihres Projektes.

Darüber hinaus hoffe ich, dass die Professur für Exercise Psychology schnellstmöglich berufen wird und die Person im Sommersemester auch starten kann. Ich freue mich sehr darauf, in meiner Abteilung eine zweite Professur zu haben und somit eine Person , mit der ich eng zusammenarbeiten kann. Ich bin auch ganz gespannt, wer das sein wird!

Sie haben ja bereits in Potsdam, Berlin, Newcastle und Kopenhagen gelehrt und geforscht. Welche Erfahrungen haben Sie in den unterschiedlichen Ländern gemacht, welche universitären Rahmenbedingungen vorgefunden?

Es gibt auf jeden Fall sehr große Unterschiede zwischen den Ländern und Universitäten und ich habe dabei auch sehr viel gelernt. Als ich damals nach England ging, gab es das Bachelor-Master-System hier noch gar nicht und ich wurde in dieses neue System regelrecht hineingeworfen. Dabei habe ich das kennengelernt, was in Deutschland erst später so richtig umgesetzt wurde. In Newcastle konzentrierte sich alles sehr stark auf die Lehre, in der Forschung hingegen gab es nicht so gute Möglichkeiten. In Kopenhagen war es genau anders herum: sehr wenig Lehre und unglaubliche Möglichkeiten für die Forschung. Es herrschte zudem ein sehr angenehmes Klima untereinander, sehr flache Hierarchien, keine Konflikte und eine gute interdisziplinäre Zusammenarbeit. Dafür waren die Voraussetzungen für Mitarbeiterstellen schwierig, hier musste man zunächst Geld einwerben, um Stellen besetzen zu können.

Ein angenehmes Arbeitsklima und flache Hierarchien – sind das auch Aspekte, die Sie hierher mitnehmen wollen?

Auf jeden Fall in meiner Abteilung. Wie sich das an der Fakultät verhält, die ja doch sehr hierarchisch strukturiert ist, weiß ich noch nicht. Was für mich auch ganz einfach und praktisch war, war das „Du“. In England und Dänemark spricht man sich grundsätzlich nur mit dem Vornamen an – hier muss man immer schauen, wen man wie anspricht (lacht).

Sie haben ja zu dem Thema „Frauen und Leistungssport im interkulturellen Vergleich zwischen Deutschland und den USA“ promoviert. Beschäftigt Sie das Thema Frauen und Sport auch heute noch?

Der Aspekt der Geschlechterunterschiede hat mich die ganzen Jahre begleitet. Das Interesse an diesem Thema hat mich nicht verlassen und bei allen Untersuchungen versuche ich auch immer noch diese Frage zu berücksichtigen. Mir ist es auch immer wichtig, Frauen zu fördern und auf Gleichstellung und Gleichberechtigung zu achten. Als Präsidentin der FEPSAC (European Federation of Sport Psychology, Anm. d. Red.) beispielsweise ist es mir sehr wichtig, im Präsidium die gleiche Anzahl von Männern und Frauen zu haben. Der Sport ist oftmals noch sehr männerdominiert – sei es in Vereinen oder in der Verwaltung. Da habe ich immer einen kritischen Blick drauf und gucke, wie man das gleichberechtigter organisieren kann.

Foto: privat

Sie sprechen es mit der Präsidentschaft in der FEPSAC schon an: Sie bekleiden mehrere Ämter und befinden sich inmitten einer sehr ansehnlichen akademischen Laufbahn. Wie meistern Sie die Herausforderungen einer derartigen Karriere, die ja auch akademisches Nomadentum bedeutet?

Ich habe einen ganz tollen Mann! (lacht) Das ist die Grundvoraussetzung. Er unterstützt mich unglaublich und übernimmt auch viel Verantwortung in Bezug auf unsere beiden Kinder. Außerdem haben meine Eltern und mein Schwiegervater in all den Jahren viel dazu beigetragen, dass ich beruflich diesen Weg gehen konnte. Zudem kann ich ganz gut strukturieren und planen – nur so geht es.

Hinzu kommt die Begeisterung für den Beruf, für die Forschung – ohne die würde man es nicht machen. In den Aufgaben bei der FEPSAC beispielsweise sehe ich einen tieferen Sinn: Europa näher zusammen zu bringen. Wenn einem persönlich etwas am Herzen liegt, schafft man einiges!

Apropos Begeisterung: Haben Sie eine Sportart, zu der Sie einen besonderen Bezug haben?

Ich selbst komme aus der Leichtathletik, mein Mann ebenso. Da haben wir uns auch kennengelernt. Das ist sozusagen meine „Heimatsportart“. Inzwischen bin ich froh, wenn ich überhaupt einen freien Moment finde, um Sport zu treiben. Dann mache ich ganz viele verschiedene Sachen: Ich versuche, viel Fahrrad zu fahren, ich gehe sehr gerne Schwimmen und freue mich deshalb besonders, die Schwimmhalle der Universität nutzen zu dürfen. Ich versuche, mich ab und zu mit meinen Freundinnen zum Tennis zu verabreden. In letzter Zeit habe ich außerdem mit Yoga angefangen, weil ich das sehr entspannend finde.

Aus der Perspektive der Forschung habe ich viel im Fußball gemacht. Der Fokus lag dabei nicht auf dem Leistungssport, sondern auf den Gesundheitseffekten im Breitensport. Wenn wir als Forschungsgruppe zusammenkommen, spielen wir natürlich auch Fußball – bunt gemischt, auf allen Niveaus, das macht riesigen Spaß!

Liebe Frau Professor Dr. Elbe, vielen Dank für diese interessanten Einblicke.

Wir wünschen Ihnen einen guten Start in Leipzig!

 

 

Prof. Dr. Anne-Marie Elbe

  • geb. 1972 in Berlin
  • 2001 Doktorin der Philosophie, Freie Universität Berlin Dissertationsthema: Frauen und Leistungssport im interkulturellen Vergleich zwischen Deutschland und den USA
  • 2001-2006: Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Universität Potsdam (u.a. Vertretung des Amtes einer Universitätsprofessorin für das Fach Sportpsychologie)
  • 2005: Habilitation, Venia legendi für Sportwissenschaft, Universität Potsdam Habilitationsschrift: Motivation und Volition im Leistungssport: Diagnostische Verfahren und die Entwicklung sportrelevanter Persönlichkeitsmerkmale im Jugendalter
  • 2006-2007: Senior Lecturer for Sport and Exercise Psychology, Northumbria University
  • 2007-2017: Associate Professor for Sport Psychology, University of Copenhagen
  • seit Februar 2018: Professorin für Sportpsychologie (W3) an der Universität Leipzig